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  November 2012

„Jeden Bürger mitnehmen“

Gnarrenburg. Dorferneuerung ist ein auf viele Jahre angelegter Prozess. Umso wichtiger ist es, den Bürger auf dieser Reise „mitzunehmen“. Schließlich habe jeder Bürger, die Möglichkeit sich aktiv einzubringen. Sätze wie diese und Schlüsselworte wie Kommunikation und Information waren am Dienstagabend öfter als einmal im Gnarrenburger Rathaus zu hören. Denn der jetzt angestoßene Dorferneuerungsprozess ist eine Riesenchance für Gnarrenburg. Das wurde auf der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Dorferneuerung deutlich. Von Thomas Schmidt

Dorferneuerung – eine Gemeinschaftsaufgabe aller Bürger. Darin waren sich Planer Gregor Paus (von rechts), Bernd-Rüdiger Beitzel von der Landesbehörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL), Ortsbürgermeister Ralf Rimkus und Ulrich Schulz, Sprecher des Arbeitskreises zur Dorferneuerung, bei der jüngsten Sitzung im Rathaus einig. Fotos: Schmidt

Wie berichtet, galt die Kernortschaft Gnarrenburg jahrelang als zu klein für die Stadtsanierungstöpfe und zu groß für die klassische Dorferneuerung – Fördermittel aus Hannover waren deshalb rar gesät. Ein Modell-projekt, in das Gnarrenburg nur mit einer anderen Gemeinde aus dem Oldenburgischen aufgenommen wurde, soll das Dilemma jetzt lösen. Bernd-Rüdiger Beitzel von Landesbehörde für Geoinformation, Land-entwicklung und Liegenschaften (GLL) machte den Bürgern des Arbeitskreises zur Dorferneuerung und den Vertretern von Verwaltung und Politik Mut, dass die Dorferneuerung wichtige Impulse für „ein modernes Gnarrenburg“ (Beitzel) setzen könne. Damit nicht genug der Motivation aus dem Mund des GLL-Mannes: Ganz Niedersachsen werde auf Gnarrenburg schauen, wenn es gelinge, die bereits jetzt erkennbaren Ideen voranzutreiben.

„Vitale Ortsmitte“

An Ideen mangelt es in der Tat nicht. Gregor Paus vom Planungsbüro Grontmij, das über viel Erfahrung mit Dorferneuerungsprozessen verfügt, vermittelte einen Eindruck davon, welches Potenzial der auf Jahre an-gelegte Prozess für die Kernortschaft habe. Und über allen Ansätzen liege das Ziel der Erarbeitung eines Strukturkonzepts für eine „vitale Ortsmitte“. Als wichtige Ziele nannte Paus:

  • Die Verbesserung der Platz- und Aufenthaltsqualität – vor allem mit Blick auf den Bereich Rathaus / Bahnhofstraße / Hindenburgstraße.
  • Die Bewahrung des Kulturerbes (historische Bausubstanz).
  • Die Stärkung der Entwicklungsachsen – vor allem mit Blick auf die Bahnhofstraße und die Aufwertung des Bahnhofes (Moorexpress).
  • Die Wiederbelebung von Brachflächen (Beispiel ehemaliges Aldi-Gelände)
  • Die Stärkung der Identität – etwa mit Blick auf die weitere Aufbereitung der Geschichte Gnarrenburgs als florierender Standort der Glasindustrie im 19. und 20. Jahrhundert.

Als Leitgedanken der Dorfentwicklung benannte Paus unter anderem die Förderung des Dorfgemein-schaftslebens, die Stärkung von Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, die Gestaltung sozialer und kultureller Treffpunkte, aber auch die Unterstützung von privaten Bauvorhaben zur Ortsbildverbesserung.

Hans Strieth, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises, brachte den Sinn der Dorferneuerung mit einem anschaulichen Vergleich auf den Punkt. Jeder Bürger habe sozusagen mit einer Investition in seine Immobilie die Möglichkeit, den Wert seiner „Aktie“ und mithin den Wert des „Gesamtunternehmens Gnarrenburgs“ zu steigern. GLL-Mann Beitzels fand den Gedanken Strieths sehr gut, drücke er doch das aus, worum es geht: die Steigerung der Lebens- und Wohnqualität in der Kernortschaft. Es mache schließlich nur bedingt Sinn, wenn ein Bürger in seine Fassade saniere und links und rechts weiter alles marode aussehe. Ein marodes Umfeld trage auch zum Wertverlust einer gut aufgestellten Immobilie bei, mahnte Beitzel und umriss kurz die Möglichkeiten der so genannten Dorfflurbereinigung: Der GLL-Experte hält sie für ein gutes Instrument zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität im ländlichen Raum. Über die Höhe etwaiger Landeszuschüsse könne zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nur spekuliert werden, deutete Beitzel an. Dass es auch manche bürokratische Klippe noch zu umschiffen gelte, um an Fördermittel zu gelangen, ließ sich aus seinen Worten ebenfalls heraushören. Doch der Leiter der GLL-Regionaldirektion Verden hatte auch eine einfache Formel der Ermutigung für alle Bürger parat: „Dorferneuerung heißt: Miteinander zu reden.“

Bürgermeister Axel Renken (SPD) warnte ebenfalls vor einem „Tunnelblick“, wenn Immobilien-Eigentümer im innerörtlichen Bereich investieren (siehe Appell unten). Es gehe immer darum, bei jeder baulichen Maß- nahme das Gesamtwohl im Auge zu behalten, sagt er mit Blick auf eine Sanierungsmaßnahme in der Hindenburgstraße, die aus seiner Sicht nicht optimal gelaufen sei.

Um die Haus- und Grundstückseigentümer in der Kernortschaft noch besser mitzunehmen im Dorf-erneuerungprozess, sollen sie in Kürze angeschrieben werden, signalisierte Renken nach einem ent-sprechenden Vorschlag einer Bürgerin. Außerdem regte er an, dass der Arbeitskreis beim nächsten Frühjahrsmarkt mit einem Infostand über den Sachstand informieren sollte.

Appell an Eigentümer

Renken richtete einen Appell an alle Grundstücks- und Hauseigentümer, die in der Kernortschaft in Kürze investieren beziehungsweise sanieren möchten, sich im Rathaus zu melden. Dann könne gemeinsam mit der Verwaltung und den Akteuren im Dorferneuerungsprozess Möglichkeiten einer Co-Finanzierung geprüft werden. Dorferneuerung heißt: Miteinanander zu reden.

Eine von vielen Ideen: Die viel befahrene und etwas unübersichtliche Kreuzung Hermann-Lamprecht-Straße, Bergstraße, Waldstraße mit einer „Mini-Kreisverkehrsanlage“ zu entschärfen und gleichzeitig die Grünfläche im Hintergrund als Ausgangspunkt für eine „Glasroute“ aufzuwerten. Planer Gregor Paus findet den Bereich ideal für die Gestaltung einer multifunktionalen Fläche mit Infostation in Sachen Glasindustrie-Geschichte. Foto: Algermissen

Quelle: Bremervörder Zeitung 16.11.12

 

 
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